Gut, dass es das letzte Mal war mit der Chemo-Therapie.
Die Nebenwirkungen haben mich seit Sylvester Nachmittag voll im Griff. Ich habe einen Infekt (Erkältung, Bronchitis, wie auch immer). Husten, Schnupfen kann man nicht sagen, es kommt nur Schleim. In der Zeit von Sylvester bis zum 2. Januar habe ich mich vier Mal auf dem Fußboden wiedergefunden. Einfach umgekippt. Und mein Arzt ist im Urlaub – und einen fremden Doktor will ich nicht. Aber ich habe fünf Mal Chemo-Therapie mit allen Nebenwirkungen überstanden, da wäre es doch gelacht, wenn ich dieses Mal nicht auch hinter mich bringen könnte.
In der nächsten Woche ist die Abschlussuntersuchung, CT und Labor – und gleich Anfang Februar das Arztgespräch. Erst dann kann man endgültig etwas sagen.
Wobei ich mittlerweile davon überzeugt bin, dass ich wieder gesund werde. Ich vermute (befürchte) zwar, dass man mich noch einmal aufschneiden wird und weiß noch nicht, wie ich dazu stehe – aber mit der Entscheidung warte ich tatsächlich bis zum Februar.
Dafür habe ich alle anderen Sachen schon wieder in Angriff genommen. Einen Termin beim Augenarzt, die unterbrochene Behandlung beim Zahnarzt wieder aufnehmen …
Und, ich stelle fest, dass ich mich verändert habe. Ich habe mal gelesen, dass Kinder nach einer Krankheit oder hohem Fieber einen Entwicklungssprung machen. Ich stelle mir vor, dass ist als Erwachsene ähnlich. Jedenfalls habe ich mein Leben lang alles gehasst, was mit Regelmäßigkeit zu tun hatte. Mein Vater hat (besonders in den letzten sieben Jahren, als ich ihn pflegte) beispielsweise um 14:00h sein Mittag gegessen. Nicht weil er Hunger hatte, sondern weil es 14:00 h war. Ebenso mit Frühstück und Abendessen. Alles ging nach der Zeit – das war gestern und vorgestern so, dass muss auch heute und morgen so sein. Oder: “Denke daran, Kinder brauchen ihre Regelmäßigkeit” – oh, wie habe ich dieses Sprüche gehaßt. Und jetzt? Ich erwische mich, dass ich Tag für Tag bestimmte Dinge ablaufen lasse – wie am Tag vorher. Immer die gleiche Reihenfolge, immer fast die gleiche Zeit. Und der Witz daran – ich finde es in Ordnung. Es gibt mir Ruhe und Planungssicherheit. Komisch.
Außerdem sehe ich Ereignisse anders – ruhiger, abwartender, zurückhaltender; Ich bin nicht mehr so schnell aus der Ruhe zu bringen. Manchmal denke ich, ich habe ein Stück meiner Mitte gefunden. Ich genieße diesen Zustand. Diese und ähnliche Gedanken und Gefühle rufe ich zur Hilfe, wenn es mir im Moment wieder schlecht geht, ich weiß ja, es geht vorbei.
Alles ändert sich, immer.