13. Januar 2012

Gut, dass es das letzte Mal war mit der Chemo-Therapie.

Die Nebenwirkungen haben mich seit Sylvester Nachmittag voll im Griff. Ich habe einen Infekt (Erkältung, Bronchitis, wie auch immer). Husten, Schnupfen kann man nicht sagen, es kommt nur Schleim. In der Zeit von Sylvester bis zum 2. Januar habe ich mich vier Mal auf dem Fußboden wiedergefunden. Einfach umgekippt. Und mein Arzt ist im Urlaub – und einen fremden Doktor will ich nicht. Aber ich habe fünf Mal Chemo-Therapie mit allen Nebenwirkungen überstanden, da wäre es doch gelacht, wenn ich dieses Mal nicht auch hinter mich bringen könnte.

In der nächsten Woche ist die Abschlussuntersuchung, CT und Labor – und gleich Anfang Februar das Arztgespräch. Erst dann kann man endgültig etwas sagen.

Wobei ich mittlerweile davon überzeugt bin, dass ich wieder gesund werde. Ich vermute (befürchte) zwar, dass man mich noch einmal aufschneiden wird und weiß noch nicht, wie ich dazu stehe – aber mit der Entscheidung warte ich tatsächlich bis zum Februar.

Dafür habe ich alle anderen Sachen schon wieder in Angriff genommen. Einen Termin beim Augenarzt, die unterbrochene Behandlung beim Zahnarzt wieder aufnehmen …

Und, ich stelle fest, dass ich mich verändert habe. Ich habe mal gelesen, dass Kinder nach einer Krankheit oder hohem Fieber einen Entwicklungssprung machen. Ich stelle mir vor, dass ist als Erwachsene ähnlich. Jedenfalls habe ich mein Leben lang alles gehasst, was mit Regelmäßigkeit zu tun hatte. Mein Vater hat (besonders in den letzten sieben Jahren, als ich ihn pflegte) beispielsweise um 14:00h sein Mittag gegessen. Nicht weil er Hunger hatte, sondern weil es 14:00 h war. Ebenso mit Frühstück und Abendessen. Alles ging nach der Zeit – das war gestern und vorgestern so, dass muss auch heute und morgen so sein. Oder: “Denke daran, Kinder brauchen ihre Regelmäßigkeit” – oh, wie habe ich dieses Sprüche gehaßt. Und jetzt? Ich erwische mich, dass ich Tag für Tag bestimmte Dinge ablaufen lasse – wie am Tag vorher. Immer die gleiche Reihenfolge, immer fast die gleiche Zeit. Und der Witz daran – ich finde es in Ordnung. Es gibt mir Ruhe und Planungssicherheit. Komisch.

Außerdem sehe ich Ereignisse anders – ruhiger, abwartender, zurückhaltender; Ich bin nicht mehr so schnell aus der Ruhe zu bringen. Manchmal denke ich, ich habe ein Stück meiner Mitte gefunden. Ich genieße diesen Zustand. Diese und ähnliche Gedanken und Gefühle rufe ich zur Hilfe, wenn es mir im Moment wieder schlecht geht, ich weiß ja, es geht vorbei.

Alles ändert sich, immer.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Heute war meine letzte Chemo …

Im neuen Jahr dann habe ich Ende Januar einen Termin für CT und Labor – und im Februar einen Gesprächstermin zur Beratung. So lange werde ich mich nun gedulden müssen, bis ich Ergebnisse bekomme.

Aber ich gehe frohen Mutes ins neue Jahr und hoffe, natürlich, das Beste.

Und ich hoffe natürlich für uns ALLE das Beste – möge Frieden bleiben, mögen die Kranken an Gesundheit gewinnen, möge endlich der Mindestlohn kommen und die Euro-Krise überwunden werden.

Und noch ein Bitte habe ich:

Herr, lass Hirn regnen – zumindest für unsere Politiker.

Allen meine Leserrn einen guten Rutsch ins neue Jahr – wünscht

Nika

Dienstag, den 13.Dezember 2011

Ich werde gesund.

Oder besser, der Krebs ist fast besiegt – meine alten Zipperlein, die zu meiner Erwerbsunfähigkeit geführt haben, bleiben mir natürlich erhalten.

Aber es sackt langsam – sickert in mein Gehirn. Ich werde gesund. Seit gestern durchströmen mich ungeahnte Energien – ich räume und krame, ich plane und putze – kurzum, ich richte mich neu ein.

Die Welt ist doch schön – und ich bleibe ihr scheinbar noch erhalten.

Montag, 12. Dezember 2011

Die Chemo Therapie Nr. 5 habe ich jetzt auch inter mir.
Und mit Hilfe der Ärztin, die die Medikamente für mich ergänzte und umstellte, sind auch die Nebenwirkungen geringer geworden. Die Übelkeit ist völlig verschwunden – nur der Darm tut noch immer nicht, was er soll.
Andererseits sage ich mir, mein Körper ist ja kein Maschine, an der man einfach Teile auswechselt, repariert und die dann wieder “läuft” – im Gegenteil. Dieser durchdachte, mit Leben gefüllte Mechanismus straft häufig sogar fehlerhafte Eingriffe und streikt völlig. So gesehen bin ich froh und dankbar, so glimpflich davon zu kommen.
Man überlege sich einmal – Darmprobleme gegen Krebs – wer würde da nicht tauschen wollen?
Ja – und die Ärztin…
da sie nicht “für mich zuständig” ist und nur den mich betreuenden Arzt vertritt, musst sie natürlich auch erst in den Bericht schauen, der über mich und meinen Krebs berichtet. Dabei liest sie leise murmelnd vor sich hin und ich verstehe nur: “… hat die ChemoTherapie extrem gut angeschlagen …”
Das heißt – ich werde gesund? Oder fast gesund? – Oder doch ganz?
Es ist komisch. Wieder muss ich mich auf eine völlig neue Situation einstellen. Es ist nicht nur Erleichterung und dann gehts im alten Trott weiter. Nein. Ich hatte mich damit abgefunden, dass die Krankheit die erste Geige in meinem restlichen Leben spielen würde, habe mich hineinfallen lassen und es “angenommen”.
Nun ist es eventuell überflüssig und ich kann meine letzten Reserven mobilisieren – und das muss ich, ich bin alles in allem doch recht “schlapp” geworden – und aktiv an meiner Gesundung mitarbeiten. All die anderen “Wehwehchen”, die ja auch vorher schon da waren und bleiben werden, wollen weiter bekämpft werden. Ich will mich wieder “aufbauen”. Allerdings schreckt mich diese Aufgabe noch ein wenig und ich hoffe sehr, ihr gewachsen zu sein.
Am 28. Dezember wird die letzte Chemo Therapie für diesen Zyklus sein. Was kommt danach?

 

Fürs erste bleibt mit nur, allen Betroffenen und / oder Lesern eine schöne Weihnachtszeit zu wünschen. Mögen auch andere so viel Glück haben, wie ich.

 

17. November 2011

Gestern war das langersehnte Arztgespräch.

Und es gab gute Nachrichten für mich. Der Ulltraschall hat befürchtete Nebenwirkungen von Organschädigungen ausschließen können. Der Tumormarker ist von 1200 auf 112 heruntergegangen! Die Chemotherapie setzen wir TROTZDEM zunächst fort.

Wenn das keine guten Nachrichten für mich sind. Sie unterstützen die bestehenden Hoffnungen und machen Mut zum weitermachen.

Richtig freuen kann ich mich sicher erst, wenn die nächsten eineinhalb Wochen mit ihren Nebenwirkungen wie Verstopfung und Müdigkeit vorüber sind. Aber ich habe Grund dazu – und das lässt mich sicher auch die Nebenwirkungen besser ertragen.

Ein schöner Tag – obwohl er so schief gelaufen ist. Warten, warten warten …

Am Morgen ging es zu, wie auf einem Bahnhof. Ich war erst um 15:30 h wieder daheim – sonst immer um 13:30 h – und durch diese Warterei empfand ich alles doppelt anstrengend.

Aber auch das ist ja jetzt vorbei und wird durch die guten Nachrichten wett gemacht.

 

16.November 2011

Es ging mir gut in den lezten Tagen. Montag war die Ulltraschall-Untersuchung, aber der untersuchende Arzt sagte nicht viel dazu. Das Arztgespräch habe ich erst heute – vor der Chemo.

Es sieht wohl ganz gut aus – was immer das heißen mag. Dem Bericht entnahm ich, dass kein Bauchwasser vorhanden sei (das ist wohl sehr gut) und die Organe klar abgrenzbar seien (das hört sich für mich auch nicht schlecht an), die Leber ist leicht verfettet (das wusste ich schon) und mehr von dem “Kauderwelsch” konnte ich nicht entziffern. Ich habe daher bis jetzt einfach vermieden, mir ein Urteil über die Sache zu bilden.

Heute nachmittag werde ich müde sein – aber auch ein Stückchen schlauer. Bis dahin also …

29. Oktober 2011

Diese Chemo Therapie ist doch sehr hartnäckig. Immer, wenn ich denke, eine der Nebenwirkungen gemeistert zu haben  – kommt etwas anderes.

Jetzt, seit zwei Tagen – Halsschmerzen, Schluckbeschwerden – und in der letzten Nacht Kopf und Gliederschmerzen. Ich wache auf und habe nicht das Gefühl, geschlafen zu haben. Und ich fühle mich nicht “ganz klar” im Kopf – so ein bisschen in einer irrealen Welt – nichts ist fassbar, und ich frage mich, was soll ich hier? Und wo bin ich überhaupt.

Ich hoffe, wenn ich eine Weile wach bin, vergeht dieses Gefühl. Verscheuchen mit Alltagstätigkeiten heisst die Devise im Moment.

Und dann wieder einer der schönen Augenblicke, es klingelt, und meine Nachbarin reicht mir zwei frische Brötchen herein. Das tut sie ab und zu, und ich genieße es. Heute merke ich jedoch, dass mich die Freude nicht ganz durchdringt – irgendwie bin ich nicht richtig da.

Na, mal sehen, was der Tag noch bringt.

Seit gestern schreibt jemand unablässig Kommentare, von denen ich nicht so richtig weiß, was ich davon halten soll. Langeweile? Ernst gemeint?

Jedenfalls bewegt sich hier etwas.

28. Oktober 2011 – Chemo wieder hinter mir

Dieses Mal war die Chemo irgendwie besonders. Längst vertraut, mit dem was passiert, kam dann doch noch etwas Neues hinzu. Eine Psychologin kam in die Onko-Ambulanz und stellte uns einige Kurse vor, die man kostenfrei besuchen kann.

Dazu gehören Malen, tanzen, Kaffeeklatsch und Schminkkurse. Bei letzterem wird natürlich besonders auf die Situation von uns “Haarlosen” eingegangen – und man kann von der “Pike” auf lernen, wie geschminkt wird. Selbst das notwendige Equipment hierfür wird gestellt. Ich denke, ich werde mir das einmal ansehen – man lernt sicher viele neue Menschen kennen, bekommt neue Gedanken und Anregungen und hat ein wenig Abwechslung. Ich finde solche Angebote einfach nur toll.

Und ich, die ich schon bei der ersten Krebserkrankung schon immer mal mit einem Psychologen reden wollte, was allerdings an Termin- und Kostenübernahmeproblemen scheiterter, sprach die Frau direkt darauf an – mit dem Erfolg, dass ich bereits am Montag einen Termin habe. Ich muss sagen, ich freue mich schon auf diese Gespräche.

Außerdem ist es mir dieses Mal gelungen, die Verstopfung zu umgehen und mir dabei eineinhalb Wochen Qual zu ersparen. Das macht mich besonders froh. Allerdings kam kurzfristig eine weitere Nebenwirkung dazu. Seit gestern abend habe ich massive Schluckprobleme und Halsschmerzen. Auch die Schleimhäute scheinen sehr trocken.

Aber OK – auf in den Kampf – auch diese Schwierigkeit werde ich überwinden.Ich bin da sehr zuversichtlich.

18. Oktober 2011

Die letzten Tage waren durchwachsen. Jetzt nach der zweiten Chemo hat es mein Darm scheinbar noch schwerer, eine Art “Normalzustand” herzustellen – und der Magen leistet ihm Gesellschaft dabei.

So wechseln sich Verstopfung, Magenschmerzen und Übelkeit ab – meist konzentriert es sich dabei allerdings auf die Morgenstunden.

So stehe ich gegen 4:00 h auf – und ab etwa 10:00 h bin ich dann “durch” und kann den “normalen” Alltag beginnen.

Ich arbeite weiter an meinem Buch. Das macht Spaß, lenkt ab und ich erfülle mir damit einen langgehegten Traum. So gehen die Tage manchmal vorbei, ohne dass ich weiss, wo sie geblieben sind. Und das ist für mich widerum ein Zeichen, das Richtige für mich gefunden zu haben.

Ich fühle mich noch immer zufrieden und dadurch erscheint mir die zunächst verloren geglaubte Zukunft in einem durchaus positiven Licht. So erlebe ich tatsächlich Glücksmomente  – ohne Wenn und Aber.